Barkultur, Weinkolleg

Nah am Weinberg gebaut: Porto – wo der Portwein herkommt.

Porto ist nicht nur die Stadt der atemberaubenden Aussichten, sondern – wie der Name schon sagt – auch die des stoffigen und zugleich süffigen Portweins.


Um schöne Aussichten ist Porto, eine der ältesten europäischen Städte im Norden Portugals, wahrlich nicht verlegen. Auch ein geeigneter Ort für den Genuss eines Panoramablicks ist schnell gefunden. 225 Stufen führen beispielsweise zum „Torre dos Clérigos“ hinauf, dem mit 76 Metern höchsten Kirchturm Portugals, der bei gutem Wetter eine tolle Sicht bietet. Und allein ein Spaziergang durch die Stadt verspricht lohnenswerte Aussichten von einem der Hügel, auf denen Porto erbaut ist. 

Wer nicht so gerne Treppen steigt oder Hügel erklimmt, kann sich aber auch einfach im Fünf-Sterne-Hotel „The Yeatman“ einquartieren:

Panorama ist hier Programm. Das preisgekrönte Hotelgebäude wurde am anderen Flussufer, in Portos Schwester-Städtchen Vila Nova de Gaia, terrassenartig in den Hang hineingebaut. Fast vergeblich sucht man hier ein Fenster, das nicht diesen beinahe unverschämt wunderschönen Blick über den Fluss auf das Zentrum von Porto bietet. Sogar das Küchenpersonal kommt bei der Zubereitung portugiesisch-innovativer Köstlichkeiten in den Genuss dieser Aussicht.

Panorama ist Programm im Hotel „The Yeatman“, das Thema Wein ebenfalls. Sogar beim Plantschen im Pool fühlt man sich wie in einer Weinkaraffe …

Denn neben dem allgegenwärtigen Augenschmaus ist das Hotel auch kulinarisch bestens aufgestellt – Chefkoch Ricardo Costa hat sich mit seinen Neuinterpretationen lokaler Gourmetklassiker bereits einen Namen gemacht und erkochte für das hoteleigene Restaurant 2011 den ersten Michelin-Stern und 2017 den zweiten. Dennoch sind keine Kochstar-Allüren zu konstatieren, ganz im Gegenteil. Man bekommt den schüchternen Küchenkünstler nur mit viel Glück zu Gesicht. Doch die kulinarischen Botschaften, die einen da aus der Küche erreichen, sprechen sowieso für sich. 

Der eigentliche Auftrag, ja fast schon eine detailverliebte Leidenschaft der Hotelbetreiber, gilt jedoch eindeutig dem Wein. Und das kommt nicht von ungefähr: So ist Vila Nova de Gaia nicht nur das Zentrum der Portweinproduktion, das Hotel gehört zudem zur Gruppe „The Fladgate Partnership“, einem erfolgreichen Familienunternehmen der Portweinbranche. Fladgate: ein englischer Name? Ebenfalls kein Zufall, verweist er doch auf den historischen Umstand, dass England – wie so oft in der Kulturgeschichte alkoholischer Getränke – maßgeblich an der Erfolgsgeschichte des Portweins beteiligt war. 

Eine englische Erfindung

Die Engländer entdeckten die kräftigen Weine aus Nordportugal gegen Ende des 17. Jahrhunderts für sich – als Alternative zu den von ihnen bislang sehr geschätzten französischen Rotweinen, auf die sie wegen angespannter wirtschaftspolitischer Verhältnisse zu Frankreich einige Jahre verzichten mussten. Einzig der Transport und die Lagerung der portugiesischen Weine erwiesen sich zunächst als problematisch, da beides mit erheblichen Qualitätseinbußen einherging. Schnell kam man auf die Idee, die Weine mit Weinbrand anzureichern, um die Gärung abrupt zu stoppen und die Weine somit stabiler zu machen. Die „süße“ Nebenwirkung, nämlich mehr Restzucker im Wein, traf zudem den Geschmack englischer Konsumenten. So wurde die Methode schon bald durch die Zugabe von reinem Traubendestillat und besserer Gärungskontrolle verfeinert und bescherte uns den Portwein, wie wir ihn heute kennen.

Die geschäftstüchtigen Engländer tranken den Portwein indes nicht nur gerne, sie engagierten sich auch eifrig in Handel und Export und siedelten sich schließlich sogar selbst im Dourotal an, um dort Portwein herzustellen – so eben auch die Familie Bearsley, aus deren Unternehmen die heutige Firma „The Fladgate Partnership“ hervorgeht. 

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CHURCHILL´S / DOURO
Die Geschichte von Churchill’s ist eine grandiose Erfolgsgeschichte. Der Macher und Motor hinter dem jungen Unternehmen ist Johnny Graham. Seiner Familie gehörte das berühmte Portweinhaus W. J. Graham. (Zum Webshop bitte in den Text klicken)

Alles dreht sich um Wein

Kein Wunder also, dass sich im Hotel „The Yeatman“, eine Art Nebenprojekt des Unternehmens, fast alles um den Wein dreht. Und nicht nur die eigenen Portwein-Marken werden beworben, das Hotel möchte sich vielmehr als Botschafter des portugiesischen Weins im Allgemeinen verstanden wissen. So können sich Weingüter aus ganz Portugal um das Sponsoring eines Hotelzimmers bewerben. Neben dem besagten Panoramablick von der blickgeschützten eigenen Terrasse erwarten den Gast vom jeweiligen Weingut individuell ausgewählte Einrichtungsgegenstände – Bilder, Bücher, Wein­utensilien und sonstiger Nippes sorgen für ein hoteluntypisch wohnliches Ambiente. Beinahe museumsartig muten die weitläufigen Flure an, in jedem Stockwerk findet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte Portugals und seines Weins. Sogar im Spa-Bereich kommen aus Weintrauben gewonnene Wirkstoffe zum Einsatz. Und vollends aufs Thema eingestimmt fühlt sich der wissbegierige Weinliebhaber spätestens nach dem Besuch des Weindinners, bei dem sich jeden Donnerstag ein anderes Weingut vorstellt und seine zu den von Chefkoch Costa stets aufs Neue kreierten Menüs korrespondierenden Weine präsentiert. 

In unmittelbarer Nähe zum Hotelgelände befindet sich die Weinkellerei Taylor’s und lädt zu einer Besichtigung inklusive Portweinprobe ein; fast schon ein obligatorischer Programmpunkt auf der Agenda eines jeden Porto-Besuchers. Taylor’s Port ist eine der bekanntesten Portwein-Marken der Fladgate-Gruppe. Die Weine werden im nordportugiesischen Douro-Tal angebaut – wie jeder andere Portwein auch, wenn er sich so nennen möchte.

Eine Portweinprobe verschafft einen guten Überblick über die verschiedenen Portweinsorten.

 

Dieses landschaftlich beeindruckende Weinbaugebiet erstreckt sich östlich von Porto entlang des Flusses Douro. An steilen, felsigen und extrem schieferhaltigen Hängen reifen hier die Trauben portspezifischer Rebsorten in der heißen Sommersonne bis zur Weinlese im September heran. Wie bei jedem anderen Wein werden die Trauben danach gepresst und der Most wird zur Gärung angesetzt – der Gärprozess allerdings früher als sonst durch die Zugabe von hochprozentigem Weindestillat beendet. Danach verbleibt der Wein noch bis zum Frühjahr im Douro-Tal und wird dann in die kühlen Lagerhallen in Vila Nova de Gaia gebracht, wo er mindestens zwei Jahre oder auch viel länger in Holzfässern reift – je nach Potential des Weins und Qualität des Jahrgangs. 

Aus der Tiefe des Fasses

Eine Portweinverkostung verschafft einen guten Überblick hinsichtlich der verschiedenen Portweinsorten und ihrer Geschmacksvielfalt. So lernt man bei Taylor’s zum Beispiel den „Chip Dry Port“ kennen, eine Portweinsorte aus weißen Rebsorten, die erst 1934 von Taylor’s eingeführt wurde und mit ihrer fruchtig dezenten Süße gekühlt als Aperitif eine willkommene Abwechslung zum Schaumwein darstellt oder sich auch gut in einem sommerlichen Mix-Getränk macht. Gleiches gilt übrigens für einen „Pink Port“, ein als Rosé ausgebauter roter „Ruby“ und eine der neuesten und trendverdächtigen Entwicklungen auf dem Portweinmarkt – ebenfalls von der Fladgate-Gruppe unter ihrer Marke „Croft“ ins Leben gerufen. 

Beides sind extravagante Vertreter des Ports, denn eigentlich geht es natürlich vor allem um rote Portweinsorten. Den größten Anteil daran hat der einfache „Standard Ruby“, ein rubinroter, frisch-fruchtiger Verschnitt aus verschiedenen Jahrgängen normaler Qualität, die nach zwei bis drei Jahren Tanklagerung trink­reif abgefüllt werden. 

Wird ein Jahrgang zu diesem Reifezeitpunkt hingegen als überdurchschnittlich gut erachtet, dann lohnt sich Geduld: Der Wein wird durch längere Lagerung noch besser. So werden „Aged Tawny Ports“ in kleinere Holzfässer umgefüllt, wo sie über viele Jahre weiterreifen. Der tiefrote Farbton verändert sich dabei in einen helleren, gelbbraunen – „tawny“ eben – und die intensive Fruchtigkeit weicht komplexeren Aromen. Nach zehn bis vierzig Jahren wird der Tawny, ebenfalls als Verschnitt verschiedener Jahrgänge, unter Angabe des Abfülljahres trinkfertig abgefüllt und präsentiert sich sehr vielseitig – die jüngeren Tawnys werden zum Beispiel gerne gekühlt als Aperitiv oder erfrischender Sommerwein gereicht, die älteren als eleganter Dessertwein zu aromatischem Käse oder süßen Desserts. 

Für einen guten Portwein gilt: Je länger, desto besser. Daher lässt man ihn viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, in kleinen Fässern 

Geduldsprobe im Keller

Der unangefochtene Star unter den Portweinen ist der „Vintage Port“, der Jahrgangsport. Er hat zwar den geringsten Anteil an der gesamten Produktion, dennoch ist es dieser Port, über den man sich in Fach- und Sammlergesprächen ereifert. Man hat ihn gerne in seinem Weinkeller – und tut gut daran, ihn dort erst einmal geduldig liegen zu lassen. Etwa drei Mal pro Dekade wird ein Jahrgang für außerordentlich gut befunden. Vintage Ports sind die besten Weine dieses besonderen Jahrgangs, die bereits nach den zwei bis drei obligatorischen Jahren im großen Fass ungefiltert abgefüllt werden, um in der Flasche weiter zu reifen. Und schon jung getrunken lässt der Wein den tiefgründig komplexen Genuss erahnen, den er nach jahrzehntelanger Reifezeit einmal bereiten kann, sobald man ihn abgestaubt und dekantiert hat … 

Unumstritten der König :
„Vintage Port“

Wer sich nicht so lange gedulden möchte und eine alltagstaugliche Alternative zum Vintage Port sucht, ist mit einem „Late Bottled Vintage“ gut beraten. Bei dieser von Taylor’s in den 1970er Jahren kreierten Portweinsorte handelt es sich ebenfalls um die Auswahl der besten Weine eines Jahrgangs, die vier bis sechs Jahre im großen Fass reifen und dann abgefüllt werden – meist gefiltert und zum sofortigen Genuss geeignet. Anders als ein Vintage Port muss ein „LBV“ weder dekantiert noch zügig aufgebraucht werden, dennoch kommen die Besonderheiten des jeweiligen Jahrgangs in eleganter Fruchtigkeit zum Tragen.

Immerhin 20 bis 22 Volumenprozent Alkohol hat so ein Port zu bieten. Da sehnt man sich nach der Verkostung und der Besichtigung der dunklen, kühlen Lagerhallen bei allem Weingenuss vielleicht doch irgendwann nach frischer Luft und Bewegung – und freut sich auf einen Stadtbummel durch Porto. Der Weg ins Zentrum ist nicht weit und führt über die beeindruckende, zweistöckige Bogenbrücke „Ponte Dom Luís I“ über den Fluss Douro direkt in die „Ribeira“, die als Weltkulturerbe anerkannte Altstadt. Malerisch schmiegt sie sich an einen Hang am Douro. Eng verwinkelte und dicht bebaute Gassen prägen das pittoreske Stadtbild, mit zahlreichen Kirchen, viele davon im Barockstil, und schönen alten Häusern, viele davon allerdings leerstehend und sanierungsbedürftig, weil leider oft das Geld fehlt, um die denkmalgeschützen Gebäude instandzuhalten – und das, obwohl Porto als der wichtigste Wirtschafts- und Industriestandort Portugals gilt. Die Attraktivität dieser Stadt schmälern die zuweilen etwas verfallenen Bauten jedoch nicht, sie fügen sich ebenso charmant ins Stadtbild ein wie die für ganz Portugal charakteristischen „Azulejos“ – bunt bemalte, kitschig-schöne Keramikfliesen, die sich allüberall, meist als Mosaik, in dekorativen Wandbildern wiederfinden. 

Wer sich dann noch mehr Luft um die Nase wehen lassen möchte: Auch das Meer ist ganz in der Nähe und schon der Weg dorthin sehr lohnenswert. Eine der historischen, herrlich laut knarzenden Straßenbahnen fährt direkt am Flussufer entlang in Richtung des Stadtteils „Foz“, wo sich der Douro mit dem atlantischen Ozean vereint, an dessen Küste sich wunderbar weitläufige Sandstrände erstrecken. 

Frische Meeresluft macht bekanntlich hungrig. Da trifft es sich doch gut, dass unmittelbar an der Flussmündung das Strandrestaurant „Shis“ gelegen ist und Abhilfe verspricht. Das Ganze natürlich begleitet von einer traumhaften Aussicht aufs Meer … und von einem Glas Portwein.

Eben noch mitten in der beschaulichen Altstadt, kurz darauf schon an der wilden Atlantikküste – in Porto ist das möglich. Das Restaurant „Shis“ wartet hier auf hungrige und durstige Strandläufer.

Adressen:

The Yeatman Hotel Rua do Choupelo, 4400-088 Vila Nova de Gaia

Tel +351 22 013 3100, Fax +351 22 013 3199, E-Mail: reservations@theyeatman.com,
www.the-yeatman-hotel.com

Taylor Fladgate & Yeatman 

Visitors’ Centre: Rua do Choupelo 250
4400-088 Vila Nova de Gaia  

Tel +351 223 742 800, Fax +351 223 742 899

Shis Restaurante 

Praia do Ourigo – Esplanada do Castelo 

Foz. Tel +351 226 189 593

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