Weinlese zum Mitmachen: Erntedank im Markgräf­lerland

Karl-F. Lietz

Lesedauer: 3 Minuten

Trauben lesen statt nur Wein trinken: Beim Öko-Weingut Makalié im badischen Markgräf­lerland helfen junge Menschen aus aller Welt bei der Weinlese. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Kost, Logis und einer ziemlich inten­siven Begegnung mit Wein, Landschaft und badischer Küche.

Schnipp, schnapp – und die nächste Spätbur­gunder-Traube landet im Korb. Mika, eine junge Israelin, steht zwischen den Rebzeilen im Markgräf­lerland und arbeitet sich Rebstock für Rebstock voran. Sie betrachtet die Trauben, entfernt einzelne Beeren und schneidet schließlich die ganze Traube ab.

„Ich mag das Meditative an der Arbeit hier“, sagt sie.

Was für Weintrinker später ganz selbst­ver­ständlich im Glas landet, beginnt hier mit Handarbeit. Und davon gibt es reichlich.

Wenn zur Weinlese die Welt ins Markgräf­lerland kommt

Karoline Linka und Max Frölich bauen mit ihrem Weinprojekt Makalié seit fünf Jahren Wein im Markgräf­lerland südlich von Freiburg an. Zur Lese bekommen sie Unter­stützung von Freunden, Prakti­kanten und freiwil­ligen Helfern aus aller Welt.

Ein Teil von ihnen findet über WWOOF den Weg nach Baden. Das inter­na­tionale Netzwerk vermittelt Freiwillige an ökolo­gisch arbei­tende landwirt­schaft­liche Betriebe. Während der Weinlese arbeiten bei Makalié beispiels­weise junge Menschen aus Israel, Japan und den USA mit.

Einen klassi­schen Arbeitslohn gibt es nicht. Dafür wohnen die Helfer kostenlos und werden verpflegt. Und sie bekommen etwas, das man als Tourist kaum kaufen kann: einen unmit­tel­baren Einblick in das Leben und Arbeiten eines kleinen Weinguts.

Für Karoline und Max ist der inter­na­tionale Besuch ebenfalls eine Berei­cherung. Während der arbeits­in­ten­siven Erntezeit bleibt ihnen kaum Gelegenheit zum Reisen. „Während der Ernte kommt die Welt quasi zu uns“, sagen sie.

Handarbeit im Steilhang

Die Weinberge verlangen den Helfern einiges ab. In den steilen Lagen wird von Hand gelesen. Zwei bis drei Wochen dauert die Ernte im September, abhängig von Wetter und Reife der Trauben.

Immer wieder geht es den Hang hinauf und hinunter. Dazu kommen lange Tage, spätsom­mer­liche Wärme und die Konzen­tration, die bei der Auswahl der Trauben erfor­derlich ist.

Was idyllisch aussieht, ist körper­liche Arbeit.

Karoline Linka weiß, dass gerade die Ruhe der Weinberge für manche ungewohnt sein kann. Die langen Stunden zwischen den Reben könnten durchaus zur „Grenz­erfahrung“ werden. Gleich­zeitig wächst während der gemein­samen Arbeit schnell ein Gemein­schafts­gefühl.

Wein möglichst nah an der Natur

Auch die Art des Weinbaus unter­scheidet Makalié von vielen konven­tio­nellen Betrieben. Karoline und Max wollen möglichst wenig in die natür­lichen Abläufe eingreifen. Sie arbeiten biody­na­misch, verzichten auf chemische Pflan­zen­schutz­mittel und Dünger und betreiben keine klassische Boden­be­ar­beitung.

Zwischen den Reben dürfen deshalb Blumen und Kräuter wachsen. Die Weinberge sollen nicht als landwirt­schaft­liche Monokultur funktio­nieren, sondern als leben­diger Lebensraum.

Eine besondere Beziehung haben die beiden zu einer Lage im Ölberg, die sie schlicht ihr „Paradis“ nennen.

„Das hier ist für uns so etwas wie ein Paradies­garten“, erzählt Max. Neben den Reben wächst dort auch Obst.

Der möglichst geringe Eingriff setzt sich im Keller fort. Einige der Lagen­weine reifen zwölf bis 18 Monate, bevor sie unfil­triert abgefüllt werden. Ein Teil wird in Restau­rants der Region ausge­schenkt, der größte Teil der Produktion geht aller­dings in den Export.

Mittag­essen mitten in den Reben

Bei Makalié gehört zur Weinlese jedoch nicht nur die Arbeit. Genuss ist fester Bestandteil des Tages.

Mittags versammelt sich die Mannschaft an einer langen Tafel zwischen den Weinreben. Der Blick schweift über das Rheintal bis zu den Vogesen. Nachmittags gibt es selbst gebackenen Rührkuchen und nach getaner Arbeit wird gemeinsam ein Glas Wein getrunken.

Vor allem am Abend zeigt sich, dass Weinlese in Baden tradi­tionell auch eine kulina­rische Angele­genheit ist.

Während die einen tagsüber Trauben schneiden, kümmert sich eine Helferin um das Essen. Später kommen alle im großen Wohn- und Esszimmer der Winzer­fa­milie zusammen. An diesem Abend stehen Bio-Kässpätzle mit Pfiffer­lingen auf dem Tisch. Zum Dessert gibt es Ofenschlupfer mit Vanil­lesoße.

Und selbst­ver­ständlich darf dazu der eigene Spätbur­gunder nicht fehlen.

Mehr als ein Urlaub auf dem Weingut

Die Motive der freiwil­ligen Helfer sind unter­schiedlich. Yukari aus Japan möchte mehr über Wein erfahren. Zoe aus den USA verbindet den Aufenthalt mit dem Wunsch, Deutsch zu lernen. Danny aus Osnabrück wiederum denkt nach Jahren auf See über eine beruf­liche Neuori­en­tierung nach.

Am Ende eines langen Tages im Weinberg ist er erschöpft – aber zufrieden: „Ich habe heute ganz schön viel Neues gelernt.“

Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser beson­deren Form des Reisens. Man besucht eine Weinregion nicht nur, sondern wird für einige Tage Teil von ihr. Man erlebt, wie viel Arbeit hinter einer Flasche Wein steckt, isst gemeinsam mit den Menschen, die ihn erzeugen, und lernt eine Landschaft nicht vom Hotel­zimmer oder Restau­rant­tisch aus kennen, sondern mitten zwischen den Rebstöcken.

Und wenn am Abend der Spätbur­gunder ins Glas kommt, weiß man ziemlich genau, wo er seinen Anfang genommen hat.

INFOR­MA­TIONEN

Makalié
Infor­ma­tionen über das Weingut und die Weine:
makalie.com

WWOOF Deutschland
Vermittelt freiwillige Helfer an ökolo­gisch arbei­tende Höfe. Unter den teilneh­menden Betrieben befinden sich auch Höfe und Weingüter in Baden-Württemberg:
wwoof.de

Schwarzwald Tourismus
Infor­ma­tionen für Reisen in den Schwarzwald und das Markgräf­lerland:
schwarzwald-tourismus.info

Naturpark Südschwarzwald
Im Rahmen verschie­dener Projekte gibt es Möglich­keiten, sich zeitweise ehren­amtlich in der Natur- und Landschafts­pflege zu engagieren:
naturpark-suedschwarzwald.de

Auerhuhn Schwarzwald
Der Verein organi­siert unter anderem Aktionstage zur Pflege von Lebens­räumen des Auerhuhns:
auerhuhn-schwarzwald.de

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