Trauben lesen statt nur Wein trinken: Beim Öko-Weingut Makalié im badischen Markgräflerland helfen junge Menschen aus aller Welt bei der Weinlese. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Kost, Logis und einer ziemlich intensiven Begegnung mit Wein, Landschaft und badischer Küche.
Schnipp, schnapp – und die nächste Spätburgunder-Traube landet im Korb. Mika, eine junge Israelin, steht zwischen den Rebzeilen im Markgräflerland und arbeitet sich Rebstock für Rebstock voran. Sie betrachtet die Trauben, entfernt einzelne Beeren und schneidet schließlich die ganze Traube ab.
„Ich mag das Meditative an der Arbeit hier“, sagt sie.
Was für Weintrinker später ganz selbstverständlich im Glas landet, beginnt hier mit Handarbeit. Und davon gibt es reichlich.
Wenn zur Weinlese die Welt ins Markgräflerland kommt
Karoline Linka und Max Frölich bauen mit ihrem Weinprojekt Makalié seit fünf Jahren Wein im Markgräflerland südlich von Freiburg an. Zur Lese bekommen sie Unterstützung von Freunden, Praktikanten und freiwilligen Helfern aus aller Welt.
Ein Teil von ihnen findet über WWOOF den Weg nach Baden. Das internationale Netzwerk vermittelt Freiwillige an ökologisch arbeitende landwirtschaftliche Betriebe. Während der Weinlese arbeiten bei Makalié beispielsweise junge Menschen aus Israel, Japan und den USA mit.
Einen klassischen Arbeitslohn gibt es nicht. Dafür wohnen die Helfer kostenlos und werden verpflegt. Und sie bekommen etwas, das man als Tourist kaum kaufen kann: einen unmittelbaren Einblick in das Leben und Arbeiten eines kleinen Weinguts.
Für Karoline und Max ist der internationale Besuch ebenfalls eine Bereicherung. Während der arbeitsintensiven Erntezeit bleibt ihnen kaum Gelegenheit zum Reisen. „Während der Ernte kommt die Welt quasi zu uns“, sagen sie.
Handarbeit im Steilhang
Die Weinberge verlangen den Helfern einiges ab. In den steilen Lagen wird von Hand gelesen. Zwei bis drei Wochen dauert die Ernte im September, abhängig von Wetter und Reife der Trauben.
Immer wieder geht es den Hang hinauf und hinunter. Dazu kommen lange Tage, spätsommerliche Wärme und die Konzentration, die bei der Auswahl der Trauben erforderlich ist.
Was idyllisch aussieht, ist körperliche Arbeit.
Karoline Linka weiß, dass gerade die Ruhe der Weinberge für manche ungewohnt sein kann. Die langen Stunden zwischen den Reben könnten durchaus zur „Grenzerfahrung“ werden. Gleichzeitig wächst während der gemeinsamen Arbeit schnell ein Gemeinschaftsgefühl.
Wein möglichst nah an der Natur
Auch die Art des Weinbaus unterscheidet Makalié von vielen konventionellen Betrieben. Karoline und Max wollen möglichst wenig in die natürlichen Abläufe eingreifen. Sie arbeiten biodynamisch, verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger und betreiben keine klassische Bodenbearbeitung.
Zwischen den Reben dürfen deshalb Blumen und Kräuter wachsen. Die Weinberge sollen nicht als landwirtschaftliche Monokultur funktionieren, sondern als lebendiger Lebensraum.
Eine besondere Beziehung haben die beiden zu einer Lage im Ölberg, die sie schlicht ihr „Paradis“ nennen.
„Das hier ist für uns so etwas wie ein Paradiesgarten“, erzählt Max. Neben den Reben wächst dort auch Obst.
Der möglichst geringe Eingriff setzt sich im Keller fort. Einige der Lagenweine reifen zwölf bis 18 Monate, bevor sie unfiltriert abgefüllt werden. Ein Teil wird in Restaurants der Region ausgeschenkt, der größte Teil der Produktion geht allerdings in den Export.
Mittagessen mitten in den Reben
Bei Makalié gehört zur Weinlese jedoch nicht nur die Arbeit. Genuss ist fester Bestandteil des Tages.
Mittags versammelt sich die Mannschaft an einer langen Tafel zwischen den Weinreben. Der Blick schweift über das Rheintal bis zu den Vogesen. Nachmittags gibt es selbst gebackenen Rührkuchen und nach getaner Arbeit wird gemeinsam ein Glas Wein getrunken.
Vor allem am Abend zeigt sich, dass Weinlese in Baden traditionell auch eine kulinarische Angelegenheit ist.
Während die einen tagsüber Trauben schneiden, kümmert sich eine Helferin um das Essen. Später kommen alle im großen Wohn- und Esszimmer der Winzerfamilie zusammen. An diesem Abend stehen Bio-Kässpätzle mit Pfifferlingen auf dem Tisch. Zum Dessert gibt es Ofenschlupfer mit Vanillesoße.
Und selbstverständlich darf dazu der eigene Spätburgunder nicht fehlen.
Mehr als ein Urlaub auf dem Weingut
Die Motive der freiwilligen Helfer sind unterschiedlich. Yukari aus Japan möchte mehr über Wein erfahren. Zoe aus den USA verbindet den Aufenthalt mit dem Wunsch, Deutsch zu lernen. Danny aus Osnabrück wiederum denkt nach Jahren auf See über eine berufliche Neuorientierung nach.
Am Ende eines langen Tages im Weinberg ist er erschöpft – aber zufrieden: „Ich habe heute ganz schön viel Neues gelernt.“
Vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser besonderen Form des Reisens. Man besucht eine Weinregion nicht nur, sondern wird für einige Tage Teil von ihr. Man erlebt, wie viel Arbeit hinter einer Flasche Wein steckt, isst gemeinsam mit den Menschen, die ihn erzeugen, und lernt eine Landschaft nicht vom Hotelzimmer oder Restauranttisch aus kennen, sondern mitten zwischen den Rebstöcken.
Und wenn am Abend der Spätburgunder ins Glas kommt, weiß man ziemlich genau, wo er seinen Anfang genommen hat.
INFORMATIONEN
Makalié
Informationen über das Weingut und die Weine:
makalie.com
WWOOF Deutschland
Vermittelt freiwillige Helfer an ökologisch arbeitende Höfe. Unter den teilnehmenden Betrieben befinden sich auch Höfe und Weingüter in Baden-Württemberg:
wwoof.de
Schwarzwald Tourismus
Informationen für Reisen in den Schwarzwald und das Markgräflerland:
schwarzwald-tourismus.info
Naturpark Südschwarzwald
Im Rahmen verschiedener Projekte gibt es Möglichkeiten, sich zeitweise ehrenamtlich in der Natur- und Landschaftspflege zu engagieren:
naturpark-suedschwarzwald.de
Auerhuhn Schwarzwald
Der Verein organisiert unter anderem Aktionstage zur Pflege von Lebensräumen des Auerhuhns:
auerhuhn-schwarzwald.de




